„Wird meine Praxis überhaupt noch gefunden, jetzt wo alle ChatGPT fragen?” Diese Sorge hören wir gerade häufig – und sie ist verständlich. Nur: Googles eigene Quartalszahlen erzählen eine andere Geschichte.
Die Zahlen, die Google nicht verstecken kann
Alphabet ist im zweiten Quartal 2026 um 24 Prozent gewachsen, Google Cloud sogar um 82 Prozent. Für uns interessanter ist aber eine andere Zeile im Bericht: Google Search & Other wuchs um 17 Prozent, von 54,2 auf 63,3 Milliarden Dollar – trotz ChatGPT, Gemini und AI Overviews, die längst im Alltag angekommen sind. YouTube Ads legte im selben Zeitraum um 13 Prozent zu.
Die klassische Google-Suche bricht also nicht weg. Zumindest nicht heute, und zumindest nicht wirtschaftlich betrachtet.
Was das für Arztpraxen und Apotheken bedeutet
Wer nachts um 23 Uhr Zahnschmerzen hat, tippt “Zahnarzt Notdienst” plus Ortsname – und will eine verlässliche, sofort überprüfbare Antwort, keine Konversation mit einem Chatbot. Genauso läuft die Suche nach “Apotheke offen jetzt” oder “Hautarzt Termin” in der eigenen Stadt: dringend, ortsgebunden, auf eine konkrete Handlung ausgerichtet. Solche Suchanfragen landen weiterhin ganz klassisch in der Google-Suche und auf Google Maps – nicht primär im Chat mit einer KI.

Aber: Impressionen sind nicht gleich Patienten
Ein wichtiger Vorbehalt gehört zur Wahrheit dazu. Google selbst behauptet, dass AI Overviews und AI Mode zusätzliche Suchanfragen erzeugen und wöchentlich Milliarden Klicks an Websites weiterleiten. Das klingt beruhigend, ist aber keine vollständige Traffic-Analyse: Mehr Suchanfragen können mit weniger Klicks pro Anfrage einhergehen. Ein wachsender Suchmarkt sagt nichts darüber aus, wie viel davon tatsächlich bei deiner Praxis oder Apotheke ankommt.
Seit Juni gibt es dafür in der Google Search Console einen eigenen Bericht für generative KI-Funktionen, aufgeschlüsselt nach Seiten, Ländern und Geräten. Ein Blick lohnt sich – auch wenn er nur Impressionen zeigt und keine vollständige Kette von Frage, Antwort und tatsächlichem Anruf oder Terminbuchung.

Was jetzt für Praxen und Apotheken zählt
- Google Business Profile aktuell halten – besonders Öffnungszeiten und Notdienste. Nichts frustriert mehr als eine Apotheke, die laut Google offen hat, aber verschlossen ist.
- Echte Bewertungen sammeln – sie sind eines der stärksten lokalen Vertrauenssignale, die weder Google noch eine KI ignorieren kann.
- In seriösen Verzeichnissen auffindbar sein – zusätzlich zur eigenen Website eine strukturierte, unabhängige Erwähnung, wie sie ein Branchenverzeichnis wie GreaterWeb bietet.
- Technische Basics nicht vernachlässigen – Ladezeit, Erreichbarkeit, korrekte Kontaktdaten. Klingt banal, entscheidet aber weiterhin darüber, ob aus einer Suche ein Anruf wird.
Klassisches SEO ist also nicht tot. Es ist nur nicht mehr die ganze Geschichte – die Frage ist nicht mehr nur, ob die Suche wächst, sondern welcher Teil davon bei dir ankommt.
Kurz notiert
Die EU-Kommission hat Google eine Rekordstrafe von 890 Millionen Euro auf Basis des Digital Markets Act aufgebrummt – unter anderem, weil eigene Google-Angebote in den Suchergebnissen prominenter dargestellt wurden als die der Konkurrenz. Wer als Unternehmen eine ähnliche Benachteiligung gegenüber Google-eigenen Modulen bemerkt (etwa bei Preisvergleichen oder Produktanzeigen), kann das direkt über ein Online-Formular der EU-Kommission melden.
GreaterWeb Redaktion
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